1984 – Open Jail

Dass aus Frankreich auch mal ganz passable Musik kommt haben uns vor Kurzem bereits Neïmo aus Paris mit ihrer Single “Hot Girl” angedeutet. Dass Franzosen in ihrer Musik auch tiefgehendes Songwriting und vielschichtige Sounds verpacken können, wollen nun ein Trio aus Straßburg beweisen. Eines vorweg, das schaffen sie. 1984 sind dieses Trio, allesamt nach 1984 geboren entwickeln sie auf ihrem Debüt “Open Jail” einen Sound, als wäre die Seele von Ian Curtis nach dessen Freitod direkt in die Band gefahren. Joy Division ist kaum überhörbar der Haupteinfluss im Sound der Band, das hört man ganz deutlich im düster treibenden Opener “Cocooning”. Sänger Etienne singt und schreit mit der gleichen Inbrunst wie Ian Curtis.

Die Band bennante sich auch ganz bewusst nach dem wohl wichtigsten Roman von George Orwell. Wie Orwell in seinem Werk gekonnt die dichte Geschichte eines um seine Freiheit kämpfenden Individuums in einer dystopischen Gesellschaft entwarf, in der sich der geheime Held des Widerstands als Big Brother entpuppt, spinnen 1984 ein Soundgebilde, in dem die Helden der Musikgeschichte Joy Division, Johnny Cash, The Cure und die Sex Pistols, sich auf einer Indie-Rock Party zur Jam-Session treffen. Die Innovationskraft der großen Vorbilder geht 1984 durch dieses Sammlung von Einflüssen in ihrem Sound dann zwar völlig ab, aber diese Mischung ist es auch gerade, die ihrer Musik den cool treibenden und schwermütig düsteren Charakter verleiht, der das Album “Open Jail” über 42 Minuten so mitreißend macht. Gerade auch die sehr unterschiedlichen Einflüsse der Band sorgen dafür, dass die Song sich untereinander klar unterscheiden und der Band zu ihrer Eigenständigkeit und somit auch ihrer Berechtigung verhelfen. So gekonnt unterschiedlichste Musikstile in einem dunklen Wave-Gewand vermischt haben zuletzt die Englänger von Black Wire, die sich leider im letzten Jahr trennten, wir hoffen, dass 1984 längeren Atem beweisen. Verdient haben sie es.

Vorab-Video zu “Cache Cache”:

Myspace der Band
Bandinfos bei Weekender Records

Ariane WhiteTapes

~ von iainwhitetapes - Oktober 21, 2008.

2 Antworten to “1984 – Open Jail”

  1. [...] ihrem Debüt “Open Jail” legten 1984 ein starkes Debüt vor, von dem nicht nur die Blood Red Shoes begeistert waren. Kurz [...]

  2. [...] avancieren. Im Interview, haben sie uns vor dem Köln-Konzert sie einiges über ihr Debüt “Open Jail”, ihre Beziehung zu den Blood Red Shoes und über ihre musikalische Sozialisation erzählt und [...]

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