finn. - The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own

•September 5, 2008 • Keine Kommentare

Es scheint so ein wenig das Jahr zu sein, in dem sich Alben sehr gut über ihre Entstehungsgeschichten vertreiben lassen. Da schlagen bis dato schon Justin Vernon, alias Bon Iver, der sich für sein Debüt For Emma, Forever Ago auf eine einsame Waldhütte in Wisconsin zurück zog, Conor Oberst, der für sein selbstbetiteltes Soloalbum seine Band in einen Bus setzte und in das mexikanische Mystic Valley karrte und nicht zuletzt die aufstrebenden Magdeburger von Chase The Dragon, die große Teile ihrer EP Replacing Space in einer österreichischen Berghütte aufgenommen haben, zu Buche. Um da heranreichen zu können, muss man nun natürlich was auffahren. Für Patrick Zimmer, alias finn. scheinbar kein Problem, er zog sich nämlich für die Aufnahmen an seinem Album “The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own” in eine Kirchengewölbe aus dem 14 Jahrhundert, weit unter den Straßen von St. Pauli, zurück. Das im Gegensatz zu den zuvor genannten auch ganz ohne elektronische Instrumente.

Ein Umstand, der auch trotz aller Konsumkritik, die das Album beherbergt, gut und gerne im Pressetext nachhaltig betont wird. Die Erwartungen an das neue finn.-Werk sind somit also recht ambivalent, zumal die Aufteilung in fünf Akte, in Anlehnung an eine griechische Tragödie, abschreckend konzipiert klingt. Auf einen Nenner gebracht, rechtfertigt das Endprodukt das ganze Buhei? Darauf kann es eigentlich nur ein klares Ja geben. “The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own” bietet wunderschöne Kompositionen, die vetrräumt und introvertiert tänzeln und den Zuhörer in eine dichte und mitreißende Klangwelt ziehen. Das eigens zusammengetrommelte Orchester begleitet Patrick mal hintergründig und man denkt, der Held der Sage würde unter seinem Weltschmerz zerbrechen, kurz darauf nehmen die Songs aber teilweise überraschende Wendungen und das Orchester braust auf, es schient als würde es wieder Hoffnung geben. Der Gesang verhält sich ähnlich, mal wehklagend und voller Fragilität, dann wieder gefestigt und stark. So entziehen einen die 16 Stücke für eine Stunde in eine ganz andere Welt, alles verliert an Bedeutung, da ist nur noch diese Stimme aus dem Untergrund und sein Orchester. Man könnte diesen ganzen Beitrag eigentlich auch einfach durch ein Wort ersetzen: Schön!

Video zu “Dew”:

Myspace-Profil mit dem ganzen Album im Stream
Feature zum Album bei seinem Label PIAS Germany

Iain WhiteTapes

The Faint - Fasciinatiion

•September 4, 2008 • Keine Kommentare

Vier Jahre ist es nun schon her, dass mit “Wet From Birth” das letzte The Faint Album erschien. Vier Jahre, eine Zeit in der viel passieren kann, so natürlich auch bei The Faint. Sänger Todd Baechle heißt nun, nach seiner Hochzeit mit Langzeitfreundin Orenda Fink (Azure Ray, Art Of Manila), Todd Fink, das Bandstudio wurde komplett renoviert und das Label heißt nun blank.wav und nicht mehr Saddle Creek. Von der Band nun eine komplette Neuerfindung zu erwarten, wäre eigentlich völliger Quatsch, dafür hätten The Faint in ihrer 14-jährigen Bandkarriere in einem Stil verharren müssen. Fasciinatiion, das fünfte Album der Band, ist Sinnbild für die stetige Weiterentwicklung der die Band unterliegt.

Schnell fällt auf, dass der Bandsound noch elektronischer geworden ist, der ganz frühe Indierock der Band ist nun scheinbar endgültig Indietronic gewichen. Gleich im Track “Get Seduced” wird auch die Richtung klar, die das Album einschlagen wird, weg vom leicht düsteren New Rave-Sound, hin zu einem kühleren, futuristischeren Sound in bester Kraftwerk-Tradition. Damit ist leider auch die extreme Tanzbarkeit der The Faint Musteralben “Danse Macabre” und “Wet From Birth” einer teilweise unterkühlten, fast roboterhaften Sound. Dabei entstehen vertrackte Songs, wie “Machine In The Ghost”, bei dem quäkende, quietschende Computersounds einen monotonen Beat und eine verzerrte Stimme treffen. Hits sind mit “The Geeks Were Right” und “A Battle Hymn For Children” auch auf dem Album enthalten, leider sind diese deshalb Hits, weil sie noch am ehesten an die Vorgängeralben erinnern. Der Fortschritt und die stetige Weiterentwicklung, die diese Band seit Mitte der 90er ausgezeichnet und zu so etwas wie Wegbereitern für Bands, wie Dúnè, Late Of The Pier und die unsäglichen Klaxons gemacht hat, scheint die Band auf eine kreative Schotterpiste geführt zu haben. Das ausgerechnet in dem Moment, in dem der frühere Retro New Rave Sound von The Faint en vogue ist und ihnen den ganz großen Erfolg beschert hätte, den nun andere ernten werden. Aber, The Faint sind noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung und so kann man sicherlich gespannt sein, wo dieser die Band hinführt.

Video zu “The Geeks Were Right”:

Myspace der Band
Künstlerprofil beim deutschen Label der Band Cooperative

Iain WhiteTapes

iLiKETRAiNS - ein Mitglied ärmer und auf Deutschland-Tour

•September 4, 2008 • Keine Kommentare

Nach zwei erfolgreichen Touren in Deutschland werden die History-Rocker von iLiKETRAiNS diesen Winter wieder auf deutschen Bühnen stehen. Dann allerdings nur noch als Quartett. “We bid a fond farewell, and wish the best of luck to Mr Ashley Dean. If you would like to keep abreast of his current and future projects, you can do so at www.brokenpixel.co.uk“, so Simon im iLiKETRAiNS-Newsletter. Wir sind gespannt, ob die Soundwände auch in der neuen Viererbesetzung so gewaltig werden dass man von der Bühne zurücktreten muss.

Die Tourdaten:

28. November, DÜSSELDORF, Pretty Vacant Club
29. November, POTSDAM, Waschhaus
01. Dezember, OSNABRÜCK, Glanz & Gloria

Und als Einstimmung das Video zu unserem Lieblings iLiKETRAiNS-Song “Terra Nova”:

Iain WhiteTapes

Chase The Dragon - Replacing Space

•September 3, 2008 • 1 Kommentar

Ein dicker Mann hat vor ca. 20 Jahren “blühende Landschaften” in den Neuen Bundesländern prophezeit. Was genau sich hinter diesem abstrakten Begriff verbirgt weiß wohl nur er, aber vielleicht hat er ja die aufblühende Musikszene gemeint. Nach Polarkreis 18 aus dem schönen Dresden schickt sich nun auch eine Band aus Magdeburg an die deutsche Musikszene zu bereichern. Nein, das wird jetzt kein Beitrag über Tokio Hotel, sondern über das Magdeburger Duo Chase The Dragon, die mit “Replacing Space” nun schon ihre zweite EP veröffentlichen. Eine EP, mit der sie Kollegen zu poetischen Höchstleistungen bewegt haben und es auch schaffen, uns zu verzaubern.

Robin Kellermann (Stimme, Gitarre) und Mathias Schieweck (Synthesizer, Piano) schaffen mit wenigen punktgenau eingesetzten Mitteln, atmosphärisch dichte Songs zu schreiben, die einen bittersüßen Spagat zwischen Melancholie und Euphorie vollziehen. Die fünf Titel auf “Replacing Space” sind verträumte Popsongs in bester Tradition der Kings Of Convenience, die mal zurückhaltend, in sich gekehrt und fast zerbrechlich wirken, wie in “The Names Of The Lands We Had Crossed” und in “Could We”, insbesondere durch den Gesang von Robin Kellermann eine optimistische Kraft gewinnen. So entwickelt sich “Replacing Space” zu einem Soundtrack im Schlafwandeln, man spaziert nahe am Abgrund, ist aber tief verträumt und erwacht in der warmen Geborgenheit des eigenen Betts. Wie man auch das Gefühl beschreiben mag, dass Chase The Dragon in ihrer Musik transportieren, der dicke Mann muss offensichtlich gewusst haben, dass in den Neuen Bundesländern großes Potential erblühen wird.

Live-Mitschnitt von “The Lasting”:

Myspace der Band mit Hörproben
Homepage der Band

Ariane WhiteTapes

Area 4 - Tag 3, Sonntag 31. August 2008

•September 3, 2008 • 1 Kommentar

Letzter Tag – zum Einen im August und auf dem Area 4. Und die ersten Personen zollen Tribut! Den hohen Temperaturen, den Litern an Alkohol oder den Bands. Rudelgucken ist auch heute, zum letzten Tag des Festival-Sommers, angesagt! Auch wenn sich nach einem fantastischen Start-Line-Up am Freitag und einem fast qualitativ genau so hochwertig besetztem Samstag Bedenken breit machen, ob der Sonntag noch Highlights bereit halten kann. weiterlesen ‘Area 4 - Tag 3, Sonntag 31. August 2008′

Oasis & The Streets - neue Videos zu neuen Alben

•September 2, 2008 • 3 Kommentare

Nachdem in den letzten Woche wilde Gerüchte um vermeintliche Remixes und Vorabversionen der neuen Oasis Single “The Shock Of Lightning” die Runde machten dürfte das nun offizielle Video zur Single auch endlich die Diskussionen verstummen lassen, wie denn nun die Single klingen möge. Zu hören sind typische, diesmal etwas rockigere Oasis-Klänge zu einem Video, in dem wir das Album-Artwork filmisch verarbeitet sehen. Da ist es auch nur eine Notiz am Rande, dass sich Oasis nach den Beatles nun in der Eröffnungsszene offensichtlich mit den Rolling Stones vergleichen, wohl ein typisches Nebenprodukt des Gallagherschen Größenwahns. weiterlesen ‘Oasis & The Streets - neue Videos zu neuen Alben’

Parenthetical Girls - Entanglements

•September 1, 2008 • Keine Kommentare

Die Parenthetical Girls als Newcomer zu bezeichnen ist faktisch eigentlich falsch, dennoch veröffentlichen sie mit ihrem neuen Album “Entanglements” erstmals ein Album in Deutschland, nachdem sie kürzlich ganz neu von Tomlab unter Vertrag genommen wurden. Auch wenn zwei Alben vorangingen ist “Entanglements” auch eine Art Debüt für Frontmann Zac Pennington, denn es ist das erste Album der Parenthetical Girls als Quartett, nachdem ihm in der Vergangenheit verschiedenste Musiker zur Seite standen, scheint er nun eine feste Formation gefunden zu haben, mit der er seine Idee von Popmusik verwirklichen möchte.

Wer die Signings bei Tomlab kennt wird wissen, was Pop in diesem Zusammenhang bedeutet, wenn man zum Beispiel Patrick Wolf als Musterbeispiel des Tomlab’schen Popverständnisses nimmt. So überrascht es dann auch nicht, dass die Parenthetical Girls Pop abseits der ausgetretenen Pfade spielen. Ihr Pop siedelt irgendwo zwischen Kammermusik, Avantgarde, Zirkus und orchestralen Klängen. Eine schräge Mischung aus The Arcade Fire und Patrick Wolf mit fröhlichem Unterton. Schon der Opener “Four Words” mit seinem wilden Streicherarrangement und dem verspielten Xylophon gallopiert förmlich in die Gehörgänge. Ähnlich gestaltet sich der Großteil des Albums, stimmig durchkomponierte Kleinode treffen auf Zac Penningtons Hang zur Extravaganz und schrammen ganz eng am Kitsch vorbei. Man spürt förmlich, die Hingabe mit der sich Zac jedem Song bis ins kleinste Detail gewidmet haben muss. Man möchte ihm fast vorwerfen, dass die Songs stellenweise überambitioniert wirken, kann es aber nicht, da genau in diesem Moment wieder ein Detail im Song auftaucht, dass einen beim Hören einfach zu sehr verzückt und sei es auch nur durch die Lyrics, die immer zwischen juvenil verrückt, albern, entrückt und pervers tändeln. Ein herrlich schräges Album also, mit viel songwriterischem Geschick und einer Prise jugendlichem Größenwahn.

Myspace der Band mit Hörproben
Homepage des Labels Tomlab

Iain WhiteTapes

Area 4 - Tag 2, Samstag, 30. August 2008

•August 31, 2008 • 2 Kommentare

Sonne – Sonne – Sonne. Der Wettergott ist immer noch Festivalbesucher. Die Sonne scheint als gäbe es kein morgen danach und dies zwingt so manche Menschen halbnackt über das Festivalgelände zu springen. Ein Anblick der Gefallen kann, aber nicht muss. Gefallen haben mal wieder die zahlreichen Acts, die an diesem heißen Tag auf der Bühne standen.
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Area 4 - Tag 1, Freitag 29. August 2008

•August 30, 2008 • 2 Kommentare

Der Klimawandel ist gerade stark im Kommen. Mal bläst er uns kalte Luft um die Ohren, einen Augenblick später schneit es und ehe man sich umsieht fallen schon die Blätter von den Bäumen. Tag Nummer Eins bei der dritten Ausgabe des Lüdinghausener Dorffest - Area 4 - und der Klimawandel, nett wie er ist, hat sich auf strahlenden Sonnenschein eingestellt. Nicht zu warm, aber immer noch so warm, dass der Pulli und die Regenjacke im Zelt bleibt. Bands haben übrigens auch gespielt am heutigen Freitag… weiterlesen ‘Area 4 - Tag 1, Freitag 29. August 2008′

The Little Ones - Morning Tide

•August 29, 2008 • Keine Kommentare

Mal abgesehen davon, ob Vergleiche mit anderen Bands immer sinnvoll sind, geschweige denn überhaupt stimmen, müssten diesem Prinzip nach ja zwei Bands, die mit der gleichen Band verglichen werden einen ähnlichen Sound haben. Klingt kompliziert, aber hier kommt auch schon das Beispiel zur Verdeutlichung, den sagenhaften Fleet Foxes hängt seit ihrer “Sun Giant” EP ein Vergleich mit den Beach Boys hinterher, die wiederum auch eine Referenz sind, wenn es darum geht Vergleiche zu The Little Ones zu ziehen. Das Problem nun wiederum, The Little Ones und die Fleet Foxes haben nun einmal eben so überhaupt keine Gemeinsamkeiten im Sound, diese Bands vom Sound gleichzusetzen, was der Beach Boys Vergleich tut, wäre, als würde man behaupten Sächsisch wäre Hochdeutsch.

Die Erklärung für den Vergleich muss dann wohl, die Vielschichtigkeit des Beach Boys Sounds sein. Ist es auch, klingen die Fleet Foxes nach dem Album “Pet Sounds” haben The Little Ones “Summer Dreams” gefrühstückt. Der Sound von The Little Ones ist geprägt vom Sonnenschein, den die Fünf in ihrer Heimat Kalifornien in rauhen Mengen genießen dürfen. So verwundert dann auch der gut gelaunte, fußwippende, naive und zuckersüße Popsound von “Morning Tide” nicht. Es scheint die Mission von The Little Ones zu sein, den Zuhörer bei jedem Song zum Mitwippen zu bewegen. Der Opener “Morning Tide” weiß dann auch zu überzeugen, ein fröhlicher Indiepop-Song, von der Melodiverliebtheit sehr nahe an den Shins, vom Optimismus nahe an The Feeling. Irgendwann setzt beim Hören allerdings so etwas wie ein Zuckerschock ein, zum einen ob der immer gleichen Song-Rezeptur, Hand-Claps, OhOhOhs, fröhliche Instrumentierung, usw., so dass man sich stellenweise nicht sicher ist, ob man den Song nicht schon gehört hat und ob man das überhaupt noch möchte. Dann klingen die Songs stellenweise auch so klebrig süß, dass es einem fast das Trommelfell verklebt. Das ist wohl auch das Problem von fröhlichen Popsongs, sie sind wie Süßigkeiten, man ist sie gerne und auch viel mehr als gut für einen ist, man wird aber nicht satt davon und bekommt von zu vielen Bauchschmerzen. Für ein paar Hit-Singles, wie “Morning Tide” und “Ordinary Song” sind The Little Ones dennoch gut und dürften auch live extrem Spaß machen.

Video zu “Ordinary Song”:

Myspace der Band
Künstlerprofil beim Label Cooperative Music

Iain WhiteTapes